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Wer finanziert die Open Source Entwicklungen ?

Angeregt zu diesem Beitrag hat mich eine Diskussion auf jdk.de zum Thema "Open Source CMS / Closed Source CMS".
Closed Source (CS) CMS-Hersteller Perpetuum Mobile d.o.o. (nie gehört ...) setzt sich in seinem Beitrag Open Source: augen auf! über Vor- und Nachteile von Open Source (OS) und Closed Source (CS) auseinander, wobei CS natürlich besser weg kommt. Für OS-CMS-Hersteller papaya argumentiert Herr Schnitzler in einer Antwort dagegen.

Ausgehend von den Axiomen
- Professionelle Softwareentwicklung kostet (viel) Geld
- Jedes Unternehmen möchte/muß Gewinne erzielen
sollte man beide Unternehmen folgende Fragen stellen:

Kunde: Wer hat die bisherige und die initiale Entwicklung des Produktes finanziert?
CS-Hersteller: Die Kunden haben dies über die Lizenzkosten finanziert.
Kunde: Das verstehe ich.
OS-Hersteller: Wir, der Hersteller, die "Community" (wer immer das ist), ... jedenfalls nicht der Kunde.

Kunde: Wer finanziert die professionelle Weiterentwiclung des Produktes?
CS-Hersteller: Die Kunden finanzieren dies über Wartungsverträge.
Kunde: Das verstehe ich.
OS-Hersteller: Wir, der Hersteller, die "Community" (wer immer das ist), ... jedenfalls nicht der Kunde.

Spätestens jetzt liegt die folgende Frage an den OS-Hersteller nahe: Wie kann dein Unternehmen unter diesen Umständen Gewinne erzielen?
Worauf ich hinaus möchte:
Das Geschäftsmodell eines CS-Herstellers ist offen und ehrlich und jeder kann es sofort verstehen.
Der OS-Hersteller muß wenn er ehrlich ist zugeben, daß er die Entwicklung durch versteckte Kosten in Service-Level-Agreemments und in Projektkosten versteckt. Natürlich bezahlt der Kunde die Produktentwicklung. Wer sonst soll diese bezahlen? Nur bekommt der Kunde niemals eine Rechnung darüber. Also kann man versuchen dem Kunden vorzugaukeln, er würde Kosten sparen, da er keine Lizenz- und Wartungskosten hat (sondern "nur" Service- und Projektkosten).

(Die Alternative ist tatsächlich gar kein eigenes Entwicklerteam zu beschäftigen und auf Code-Spenden der "Community" (das sind letztlich dann die Kunden selbst) zu hoffen und diese Spenden mehr oder weniger ungeprüft in das Produkt zu übernehmen. Ob das dann noch "professionell" genannt werden kann, möchte ich bezweifeln)


Warum funktioniert diese OS-Argumentation? Es sollte doch für jeden Kunden unmittelbar einsichtig sein, daß Softwareentwicklung Kosten verursacht, die irgendjemand finanzieren muß.

Vermutlich liegt es daran, daß es eine Reihe wirklich professioneller OS-Produkte gibt wie etwa Linux, Apache-Produkte, Mozilla-Produkte ... Diese OS-Hersteller werden finanziert von großen Unternehmen wie IBM, Oracle, Apple, Google und wer weiß, wer dort alles sponsort. Diese "Sponsoren" tun das natürlich ebenfalls nicht uneigennützig, sondern refinanzieren dies durch bessere Hardwareverkäufe, Einfluß auf Technologien, Schwächung von Mitbewerbern etc.
Nun entsteht in der Öffentlichkeit der Eindruck, daß diese komplexen Finanzierungskonzepte überall so funktionieren, wo OS draufsteht. Und das ist das Problem, denn das ist natürlich nicht der Fall. Kein Sponsor finanziert das papaya-CMS - in diesem Fall müssen dies die Kunden tun. Wer sonst. Oder Herr Schnitzler?

Ich finde es ehrlich gesagt sehr erstaunlich, daß diese OS-Argumentation so gut funktioniert.
Kommentare:

André Schnitzler 16:01 Uhr MEZ

Hallo Herr Schmidetzki,

so sehr ich mich freue, dass die Diskussion auf jdk.de Ihr Interesse geweckt zu haben scheint, so sehr muss ich Ihnen leider bei den "mir in den Mund gelegten" Aussagen widersprechen.

Ganz gleich ob Sie meine Meinung teilen oder nicht - freie Meinungsäußerung ist jederzeit Ihr gutes Recht. Bitte verzichten Sie jedoch darauf, mich auf von mir so nie gemachte Aussagen wie "Insbesondere sagt Herr Schnitzler, OS sein kostengünstiger (weil keine Lizenzkosten) und genau so professionell." zu reduzieren.

Wenn meine Ausführungen auf jdk.de auf eine zentrale Aussage zu reduzieren sind, dann sicher auf die, dass die Wahl der Lizenz (sei diese frei oder nicht) keine Auswirkungen auf Qualität, Garantien, Leistungsfähigkeit etc. haben muss - was der diskutierte Beitrag darzustellen versuchte.

Die von Ihnen in den Raum gestellten Fragen an Anbieter von OS und CS Software hätten wir ganz nebenbei anders beantwortet, als Sie dies voraussagen.

Insofern bitte ich Sie dringend, meine Ausführungen ggf. nochmals anzusehen und die hier auf Ihrer Seite gemachte verzerrende Darstellung derselben zu korrigieren.

Besten Dank herzlichen Gruss,
André Schnitzler

Wolfgang Schmidetzki 23:27 Uhr MEZ

Ich habe den entsprechenden Abschnitt entfernt.

Es ging mir darum deutlich zu machen, daß wenn Qualität, Garantie und Leistungsfähigkeit sichergestellt wird, letztlich immer der Kunde dies bezahlt. Und bei Closed Source sieht der Kunde dies auch auf einer Rechnung. Bei Open Source glaubt der Kunde tatsächlich, Kosten sparen zu können (laut einem Beitrag in der aktueller Computerwoche Nr. 49 ist für 38% der Entscheider pro Open Source die (Reduzierung der) Anschaffungskosten entscheidend), täuscht sich damit aber.

André Schnitzler 08:01 Uhr MEZ

Hallo Herr Schmidetzki,

haben Sie herzlichen Dank für die Korrektur.

Ihrem Einwand "Es ging mir darum deutlich zu machen, daß wenn Qualität, Garantie und Leistungsfähigkeit sichergestellt wird, letztlich immer der Kunde dies bezahlt." will ich nebenbei gar nicht widersprechen - dies trifft zu. Ein gutes Produkt, gleich mit welcher Lizenz, wird letztlich niemals "kostenlos vom Himmel fallen".

Wenngleich ich augenscheinlich an freie Software glaube, so liegt mir eine schwarz-weiss-Argumentation fern: Freie Software kann gut sein, muss sie aber nicht. Sie kann kostengünstiger sein, muss sie aber nicht. Umgekehrt gilt das genau so für closed source Software.

Der einzige Punkt, wo mir jeder "Kampf gegen Windmühlen" sinnvoll erscheint, ist die oftmals zu lesende Behauptung, Open Source Software habe stets bestimmte Eigenschaften (wie z.B. eine bestimmte Qualität, eine bestimmte Art von Softwarekonzepten etc.). Ich kann einfach nicht erkennen, wie die Wahl der Lizenz (gleich wie diese ausfällt), das Produkt nachhaltig verändern könnte (wenn man davon absieht, dass offener Quellcode *potentiell* bzw. *theoretisch* das Finden von Fehlern und deren Behebung erleichtern sollte).

Insofern ist weder "Lizenz 1" oder "Lizenz 2" ein Beleg für Qualität. Zur Unterscheidung der Qualität dient eher die individuelle Softwareevaluation durch den Kunden oder einen Berater. Die gewünschte oder für den Kunden ideale Lizenz ist dann ein anderes Thema - ein wichtiges, ggf. ein elementares, aber keines, das etwas über die Qualität aussagt.

Viele Grüße,
André Schnitzler

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